Autobauer fürchten Handelskrieg am meisten

Die deutschen Autobauer werden aufmerksam die Reise des US-Präsidenten zum NATO-Gipfel und zu Spitzengesprächen mit den Regierungschefs in Europa und Russland verfolgen. Denn Trumps Äußerungen, deutsche Autos erheblich zu besteuern, hat die Branche in Angst und Schrecken versetzt. Man hat bereits an der Abgasaffären-Front zu kämpfen, hinzu kommt die Herausforderung durch E-Autos und selbstfahrende Fahrzeuge. Da braucht man eigentlich keine politische Krise, die wichtige Märkte für den Export plötzlich quasi dicht macht.

Berechnungen sagen, dass bei einem Anstieg der Zölle in den USA von 12 bis 16 Prozent der Wachstum in Europa um zwei Prozent zurückgehen könnte. Und diese Zahlen gelten nur, wenn es nicht sonst noch zu Behinderungen kommt. Gerade das ist aber bei einem US-Präsidenten, der am Morgen noch nicht weiß was er am Mittag entscheiden wird, immer möglich. Das einzige was man derzeit kalkulieren kann ist, dass Trump nur den Vorteil für Amerika sucht, oder zumindest was er für einen Vorteil hält.

Digitalsteuer steht im Raum

Denn gerade die deutschen Autofirmen weisen gerne darauf hin, welche Investitionen sie in den USA gemacht habe und wieviele Arbeitsplätze sie geschaffen haben. Doch es steht noch mehr auf dem Spiel als nur die Autoindustrie: Auch Stahl ist schon im Gespräch. Wenn die EU eine Digitalsteuer einführt, um die Umsätze von Apple, Facebook und anderen auch hier zu besteuern, kann das als feindlicher Akt vom launischen Mann im Weißen Haus gesehen werden und zu weiteren Eskalationen führen.

Niemand kann derzeit absehen, wohin die Handelsstreitereien führen werden. Die Stahlzölle werden in den USA den Stahl und damit auch die Produktion teuerer machen, was ein Eigentor wäre, das aber Trump hinzunehmen scheint. Ein geschlossener Markt in den USA würde aber auch bedeuten, dass dann Stahl auf dem Weltmarkt im Übermaß vorhanden ist und die Preise fallen. Das würde zwar gut für die Produktion sein, aber ein großer Nachteil für die deutschen Stahlunternehmen.